Richtig & Falsch

Richtig & Falsch

Der Podcast für Politische Bildung

Transkript

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00:00:00: Politische Bildung kann nicht neutral sein, also politische Bildungen darf nicht überwältigen.

00:00:04: Dass das Überwältigungsverbot im Dienst im Zusammenhang

00:00:08: eben kein

00:00:09: Neutralitätsgebot bedeutet...

00:00:12: Sie müssen im Grunde ständig in ihrem Unterricht gegenüber den Schülern repräsentieren dass ein offener Denkraum ist hier, dass man offen reden kann.

00:00:24: Ich möchte nicht darüber diskutieren, dass Frauen weniger wert sind als Männer.

00:00:27: Ich möchte darüber nicht diskutieren das türkenschlechtere Menschen sind aus Österreicher.

00:00:31: Die Frage ist vielleicht weniger das Gebot da neutral zu sein sondern im Sinne des Beutelsbar-Konsens zu sagen, dass diese Positionen gibt.

00:00:42: was quasi in der Gesellschaft kontroversiell diskutiert wird sollte auch im Unterricht kontroversell darstellen.

00:00:49: Sehr wichtig auch die Lehrkraft Haltung zeigt und dass sie eingreift.

00:00:55: Und sozusagen sich nicht als neutrale Beobachterin bei gewissen Kontroversen sieht, sondern auch die eigene Meinung tatsächlich begründet.

00:01:03: Die politische Bildung ist jetzt nicht neutral gegenüber Ungleichheit zum Beispiel oder gegenüber autoritären Verhältnissen, sondern sie ergreift Partei für Demokratie- und Mitbestimmung z.B

00:01:19: Richtig

00:01:20: und falsch!

00:01:23: Der Podcast über Politische

00:01:25: Bildungen

00:01:28: von Centrum Polis Demokratie einundzwanzig und

00:01:32: der Arbeiterkammer

00:01:33: Wien.

00:01:37: Hallo und herzlich willkommen!

00:01:39: Heute begrüßen euch

00:01:40: Karl Schönzwetter und Patricia Latschik zu einer besonderen Folge von Richtig und Falsch.

00:01:46: Uns ist nämlich aufgefallen, dass in fast jeder Podcast-Folge der Beutelsbacher Konsens aufgetaucht ist.

00:01:52: Deshalb haben wir gemeinsam mit Philipp Mitnick von der Pädagogischen Hochschule Wien in unser eigenes Podcast Archiv zurückgehört.

00:02:00: Viele von Euch kennen den Beutelswacher-Konsens sicher ohnehin, trotzdem zu Beginn ganz kurz zusammengefasst die drei Prinzipien, die seit einem halben Jahrhunderts die politische Bildung im deutschsprachigen Raum prägen.

00:02:13: Erstens das Überwältigungsverbot

00:02:16: Zweitens das Kontroversitätsgebot und

00:02:19: Drittens die Orientierung an den Interessen der Lernenden.

00:02:23: In der Praxis zeigt sich dass sich hinter diesen Prinzipien ganz schön knifflige Fragen auftun.

00:02:29: Was bedeutet es denn eigentlich, Schülerinnen und Schülern nicht zu überwältigen?

00:02:34: Wann muss ich als Lehrkraft Stopp sagen.

00:02:37: Gibt es eine Grenze für die Kontroverse?

00:02:40: Darf ich als Leerkraft meine Meinung sagen?

00:02:43: Darfe ich im Unterricht über Parteipolitik sprechen?

00:02:47: Darface als Lehrkraft die Meinungen meiner Schüler- und Schülerinnen kritisieren?

00:02:51: Diese und ähnliche Fragen begegnen uns in unseren Fortbildungen immer wieder!

00:02:55: Und sie wurden wir gleich hören werdet In vielen Folgen von richtig und falsch aus unterschiedlichen Perspektiven diskutiert.

00:03:05: Beginnen wir gleich mit einem Missverständnis, das uns immer wieder begegnet ist – der Vorstellung politische Bildung müsse neutral sein.

00:03:13: Ich glaube,

00:03:13: dass es etwas was in Deutschland auch sehr um sich greift diese Vorstellung sowohl bei Studierenden, Lehramtsstudierenden als auch bei Lehrerinnen die Vorstellungen des Neutralitätsgebots, die es in der Form nicht gibt.

00:03:26: Also aus fachlicher Sicht muss man sagen, das führt sehr in die Irre.

00:03:29: Politische Bildung kann nicht neutral sein also politische Bildungen darf nicht überwältigen aber weder ist es geboten dass eine Lehrerin ihre eigene Meinung versucht völlig auszuklammern aus ihrer pädagogischen Arbeit.

00:03:44: noch muss man sämtliche politischen Positionen die es irgendwie so gibt in der Welt gleichberechtigt präsentieren.

00:03:52: Das war Kai Schubert deren unserer Folge zu Antisemitismus zu Gast war.

00:03:57: Philipp Mitnick von der PH Wien sieht das ähnlich wie Kai und beobachtet in der Ausbildung, dass viele Lehrerinnen und Lehrer vorbehalte haben politische Bildung zu unterrichten weil sie Angst haben etwas falsch

00:04:09: zu machen.

00:04:10: Ich glaube die eigene Meinung wird vollkommen zu Unrecht immer verteufeln.

00:04:13: wir wollen, dass junge Menschen in der Schule ihre eigene Meinung sagen.

00:04:19: Eines der Hauptziele der politischen Bildung überhaupt ist die Ausbildung einer Urteilsfähigkeit, also wir wollen junge Menschen dort hinbringen dass sie einen gesellschaftlichen Konflikt beurteilen können einordnen können aber auch offen für neue Argumente werden.

00:04:32: das ist das grobe Ziel der politische Bildung.

00:04:35: und wenn wir aber erwarten dass Schülerinnen sich Auten mehr oder weniger mit einem Urteil zu dem Gesellschaft, den man fliegt und die Lehrkraft zieht sich jedes Mal auf die Position zurück.

00:04:44: Naja ich sage euch aber nicht was ich denke Dann wird das nichts funktionieren.

00:04:48: Das heißt Lehrerinnen sind hier auch Vorbild Und Anja Besand hat einmal sehr deutlich in einem Artikel am geschrieben Dass eine politisch inkohärente Person der politischen Bildung immer noch mehr dient als eine ganz zurückhaltende Person.

00:05:04: Ja das heißt jetzt nicht dass politische Bildung so stattfinden soll, dass die Lehrer den Schülern sagen was politisch richtig oder korrekt ist weil das gibt es nicht.

00:05:12: Aber sich aus allen hinaus zu halten ist noch viel schädlicher

00:05:16: Ja!

00:05:16: Das bringt es gut auf dem Punkt.

00:05:18: wenn wir politisch denkende Menschen aus der Schule entlassen wollen wissen wir ihnen auch zeigen dass wir selbst politisch denken.

00:05:24: die Menschen sind sonst sind wir als Lehrende unglaubwürdig.

00:05:29: Die zentrale Frage ist halt wie mache ich das als Lehrkraft richtig?

00:05:33: Worauf muss ich achten damit ich eben nicht in die Überwältigung kippe.

00:05:37: Wolfgang Sander beschreibt, in unserer Folge zur Streitkultur das ideale Klassenzimmer als einen offenen Denkraum

00:05:44: Das Lehrer so etwas brauchen wie eine Haltung der Bildung.

00:05:48: Das heißt sie müssen im Grunde ständig in ihrem Unterricht gegenüber den Schülern repräsentieren dass ein offener Denkraum ist hier Dass man offen reden kann, dass sie das auch tun gerade wenn Sie gefragt werden ohne ihre Position durchsetzen zu wollen bei Streitfragen, dass es ein Interesse des Lehrers oder der Lehrerinnen gibt, zu erfahren wie Schüler wirklich denken.

00:06:15: Sie auch zu ermutigen und das zu

00:06:17: machen.".

00:06:17: Ich finde das sind sehr schöne Gedanken!

00:06:19: Das Interesse der Lehrkraft an den Meinungen der Lernenden?

00:06:23: Das Miteinanderarbeiten auf Augenhöhe?

00:06:25: Schule als sicherer Ort, an dem ich frei denken lernen kann?

00:06:29: Philipp Mitnick geht sogar noch einen Schritt weiter Schule als Ort an dem Lehrende und Lernende politische Sachverhalte auf Augenhöhe miteinander verhandeln.

00:06:39: Wenn wir möchten, dass wir mit Schülerinnen und Schülern in Diskussion kommen – eine ernst gemeinte Diskussion wo auch Gegenmeinungen zugelassen werden dann wird am Ende dieser Diskussion noch eine Frage der Schüler an die Lehrkraft kommen wie sehen sie das?

00:06:55: Und dann gibt es keinen Raum dafür zu sagen ich halte mich hier hinaus sondern dann wird es eine Beurteilung brauchen um einfach hier auch ernst genommen zu werden und die Diskussion fortführen zu können.

00:07:08: Eine Lehrkraft soll also sogar eine eigene Meinung haben, entscheidend ist dass sie diese Meinung den Schülerinnen und Schülern nicht auftränkt das also Standpunkte gleichberechtigt nebeneinander stehen bleiben können.

00:07:20: Aber damit ist die Sache noch lange nicht geklärt denn wenn politische Bildung nicht neutral sein muss wie viel Raum müssen dann andere Positionen bekommen?

00:07:29: Die Frage ist vielleicht weniger neutral zu sein, sondern im Sinne des Beutelsbar-Konsens zu sagen dass diese Positionen gibt.

00:07:40: was sich quasi in der Gesellschaft kontroversiell diskutiert wird sollte auch im Unterricht kontroversell darstellen.

00:07:47: Wenn ich den Schülerinnen aber auch dabei helfe indem ganz nüchtern die Zahlen zur Verteilung zur Vermögensverteilung zur Einkommensverteilungen anschaue kann ich ihnen klarmachen, wo sind Sie selbst in dieser Vermögensverteilung?

00:08:00: Bei welchen wirtschaftspolitischen Maßnahmen oder Forderungen würden sie profitieren.

00:08:05: Wovon würden sie nicht profitieren?

00:08:07: Was wäre entgegen Ihrer eigenen Interessen?

00:08:10: und wenn man das ermöglicht, dass Sie sich da verorten können dann können Sie quasi auch im Sinne Ihrer interessenden Wählen handeln, wählen, sich politisch engagieren usw..

00:08:21: Vincent Hilbrand war in der Folge zur Finanzbildung bei uns zu Gast und auch in diesem Fachbereich ist es für Lehrkräfte relevant verschiedene Perspektiven aufzuzeigen, abwägen zu lassen und ein eigenes Urteil zu ermöglichen.

00:08:34: Aber ist wirklich alles was irgendwo gesagt wird eine legitime Position in einer Kontroverse?

00:08:40: Wenn jetzt der Spiele eine Parole ist Israel und in Gaza ist ein Genozid verlübt worden bin ich nicht dieser Meinung.

00:08:46: könnte das auch gut begründen Aber das ist eine zulässige Meinung, weil die will in der Öffentlichkeit diskutiert.

00:08:52: Wenn aber eine Meinung kommt wie Frauen sind weniger wert als Männer alle Türken können weg oder ähnliche abwertenden Botschaften dann gebe ich Schülerinnen nicht die Möglichkeit das vor einer Klasse zu erklären und ich glaube dass es ein ganz ganz wichtiger Unterschied zu vielen Positionern in der politischen Bildung.

00:09:09: Allerdings ist das auch die mehrheitliche Position, ich möchte nicht darüber diskutieren dass Frauen weniger wert sind als Männer.

00:09:15: Ich möchte darüber nicht diskutieren, dass türkenschlechtere Menschen sind als

00:09:18: Österreicher.".

00:09:19: Ja dem kann man natürlich nur zustimmen aber wie kann ich als Lehrkraft im Klassenzimmer konkret auf provokante Aussagen oder Parolen reagieren?

00:09:28: Alexandra Amante erzählt dazu in der Podcastfolge zum Thema Streitkultur aus ihrem Alltag am Gymnasium.

00:09:35: Man lässt sie einfach einmal erklären was man damit eigentlich meint und startet einen Diskussionsprozess und fragt, was sagen andere dazu?

00:09:45: Also bevor ich loslege etwas dazu zu sagen, frage ich einmal in die Klasse wie sehen das andere.

00:09:52: Stimmt ihr zu?

00:09:52: Gibt es da ein Widerspruch?

00:09:54: Gibts Kommentare?

00:09:55: Oftmals sage ich auch einfach kannst du dann noch mehr dazu sagen, wie du das meinst, noch ein bisschen erklären, hab's noch nicht ganz verstanden!

00:10:02: Und wenn dann

00:10:03: niemand mehr was sagt,

00:10:05: sag' ich das, was ich denke dazu Und das funktioniert.

00:10:09: Aber wie geht man konkret mit wirklich schwierigen Meldungen um?

00:10:12: Wie soll man sich verhalten, wenn im Unterricht ausgrenzende oder diskriminierende Meinungen geäußert werden?

00:10:19: Darüber kann man nicht immer diskutieren – manchmal muss hier auch eine Grenze gezogen werden!

00:10:24: Robert Hummer greift diese Frage in der Folge zur Demokratie im Wandel auf.

00:10:30: Politische Gegnerschaft da wo sozusagen klare Kante gefordert ist, wo ich merke okay das ist jetzt eine antisemitische Aussage.

00:10:38: Das ist eine rassistische Aussorge was auch immer auf jeden Fall aussagen die eindeutig jenseits der Grenzen des demokratisch-sagbaren Liegen.

00:10:49: Das es das eine das andere ist wieder mit umgehen und da denke ich mir schon dass es gefordert ist.

00:10:56: wichtig ist sich bewusst zu sein, dass man sich in einer pädagogischen Situation befindet und da geht es dann nach meinem Dafürhalten darum, dass wir solche Aussagen bearbeitbar macht.

00:11:08: Problemorientiert, bearbeitbarmacht – das kann Situationen geben wo das vielleicht erst in der nächsten oder übernächsten Stunde passiert aber es wird Situationen gegeben müssen, wo ich darauf reagiere.

00:11:20: Da möchte ich nicht falsch verstanden werden, ein Nicht-Reagieren.

00:11:23: Ein Wegschauen und sich taubstellen als Lehrperson in so einer Situation das würde natürlich in die Indifferenzfalle führen.

00:11:32: Und in Differenzfallen würde solche Positionen legitimieren – und das wäre natürlich ein Problem.

00:11:38: Gleichzeitig wäre es aber ein Problem diesen Diskurs gar nicht

00:11:42: zuzulassen.".

00:11:44: Robert Hummer beschreibt hier ziemlich schwierige Situationen für Lehrkräfte die noch viel stärker in der Ausbildung thematisiert werden sollten.

00:11:51: Denn jede Lehrkraft muss ihren eigenen Umgang mit solchen Situationen finden und das braucht Hintergrundwissen und Übung gleichermaßen.

00:11:59: Lara Kiroth nimmt das Thema ja in der gleichen Podcastfolge nochmal auf, und spricht darüber dass Lehrkräfte an bestimmten Punkten Haltung zeigen müssen.

00:12:08: Sehr wichtig auch ist sie, dass die Lehrkraft Haltung zeigt und es sie eingreift und sozusagen sich nicht als neutrale Beobachterin bei gewissen Kontroversen sieht, sondern auch die eigene Meinung tatsächlich begründet und sozusagen dass einfach Diskussion konstruktive Diskussionskultur geschaffen wird.

00:12:30: Aber das gleichzeitig auch gesagt wird hier und hier ist die Grenze Und nicht alles kann unkommentiert gesagt oder getan werden.

00:12:39: Also das passiert mir oft noch zu wenig.

00:12:41: Das sind herausfordernde pädagogische Situationen.

00:12:45: Nicht alle stehen lassen?

00:12:46: Aber auch nicht einfach abbrechen, widersprechen und gleichzeitig versuchen die Äußerung zum Gegenstand des Lernens zu machen.

00:12:55: Das klingt nach einer ziemlich anspruchsvollen Balance!

00:12:58: Und genau an diesem Punkt kommt eine weitere Stimme in die Debatte – Die sogenannte Frankfurter Erklärung.

00:13:08: Die Frankfurther Erklärungen zur politischen Bildung entstand im Jahr zwei Tausend Fünfzehn also fast vierzig Jahre nach dem Beutelsbacher Konsens.

00:13:16: Er findet übrigens die Info dazu in den

00:13:18: Shownotes.

00:13:19: Die Erklärung setzt einen wichtigen Akzent.

00:13:22: Politische Bildung, so die zentrale Botschaft darf sich nicht damit begnügen einfach nur unterschiedliche Positionen sichtbar zu machen Denn Gesellschaft ist nicht nur vielstimmig sie ist auch von Macht Ungleichheit und unterschiedlichen Möglichkeiten der Teilhabe geprägt.

00:13:38: Und das führt uns dann zur Frage Kann politische Bildungen gegenüber solchen Verhältnissen tatsächlich neutral bleiben?

00:13:45: Boris Kinder formuliert das in der Folge zum Thema Widerstand in der politischen Bildung sehr deutlich.

00:13:51: Die politische Bildung ist jetzt nicht neutral gegenüber Ungleichheit

00:13:54: z.B.,

00:13:55: oder gegenüber autoritären Verhältnissen, sondern sie ergreift Partei für Demokratie und Mitbestimmung.

00:14:01: z. B. setzen wir in der politischen Bildung, für politische mündige Bürgerinnen ein.

00:14:06: Das heißt die müssen erstens einmal die Möglichkeiten haben politisch mitzubestimmen und da muss natürlich auch demokratische Spielräume geben.

00:14:12: das heißt eine politische Bildung muss auch partei ergreifen wenn zum Beispiel demokratische Spielräume reduziert werden Demokratieabbau betrieben wird Fremdsbestimmungen wo er heute eingeführt wird.

00:14:24: das sind Dinge wo man sozusagen sich nicht gleichgültig gegenüber verhalten kann.

00:14:31: Man leistet eigentlich auch Herrschaftskritik, weil wir hinterfragen gesellschaftliche Verhältnisse.

00:14:35: Das klingt zunächst nach einem Widerspruch zum Beutelsbacher Konsens aber vielleicht ist es eher eine Verschiebung der Frage.

00:14:42: nicht darf politische Bildung eine Haltung haben sondern wie kann sie für Demokratie und Menschenrechte eintreten ohne den Lernenden ein fertiges politisches Urteil vorzuschreiben?

00:14:55: Es ist Überwältigung jemandem zu sagen du musst jetzt Das und das machen, sonst geht die Welt runter.

00:15:02: Überwältigung ist es nicht eine problematische Aussage einer politischen Partei zurückzuweisen.

00:15:08: Um noch einen Satz zur Kontravisität um darauf hin zu rückzukommen, ich halte das deshalb für so zentral weil wenn wir versuchen Leute zu belehren was glaube ich ein alter Ansatz in der politischen Bildung war Demokratie ist wichtig, Demokratie is schöne, nehmen uns an der Hand und haben uns alle lieb.

00:15:24: das funktioniert ja offensichtlich nicht.

00:15:27: Sondern es setzen sich Extremismen immer weiter durch, es setzt sich Abwertung immer weiter.

00:15:31: Es setzt sich Diskriminierung immer weiterdurch.

00:15:34: Deswegen braucht es kontroverse Positionen um Schülerinnen in der Schule zu zeigen dass es zu fast jeder gesellschaftlichen Frage auch wenn sie noch so lächerlich ist eigentlich immer zumindest zwei konkurrierende Meinungen gibt und deswegen halte ich das für wichtiger sich mit der Kontroversität und der falsch abgeleiteten Neutralität daraus näher zu beschäftigen als vielleicht mit Alternativen, die dazu aufgebracht werden.

00:15:59: Vielleicht liegt ja auch die eigentliche Kraft des Beutelsbacher Konsens – nichts darin Lehrkräfte möglichst zurückhaltend zu machen sondern darin Schülerinnen und Schülern die Entwicklung eines eigenen politischen Urteils zu ermöglichen.

00:16:13: Das

00:16:13: führt uns zu einem zentralen Begriff der politischen Bildung den Wolfgang Buchberger in der Podcastfolge zur Politischen Bildungen der Volksschule anspricht Zur politischen Mündigkeit.

00:16:24: Und wenn bei den Lernenden das Ziel der politischen Mündigkeit erreicht werden soll, kann es nicht durch die Reproduktion auswendig gelernte Wissensbestände bzw.

00:16:33: vorgefertigter Meinungen und politische Urteile Einstellungen geschehen sondern nur durch die Entwicklung der Fähigkeiten für Selbstständiges politisches Denken und

00:16:42: Handeln.

00:16:42: Worauf Wolfgang Buchberger anspielt, damit er da natürlich recht ist dass ein politische Bildung ein Unterrichtsprinzip sein sollte oder das es in allen Schulfächern, in allen Schularten zur Anwendung kommen solltet.

00:16:55: Das heißt man sollte auch in Chemie, Physik, Mathematik und Sport sich mit politischer Bildung und gesellschaftspolitischen Fragen auseinandersetzen.

00:17:03: ich glaube auch dass das relativ leicht gehen würde.

00:17:08: Fünfzig Jahre nach seiner Entstehung ist der Beutelsbacher Konsens, also noch immer ein wichtiger Bezugspunkt der politischen Bildung.

00:17:17: Die Herausforderungen haben sich allerdings verändert – Jugendliche begegnen politischen Positionen heute auch in sozialen Medien wie TikTok, Instagram oder YouTube.

00:17:28: Algorithmen beeinflussen welche Inhalte ihnen gezeigt werden und können dazu beitragen das andere Perspektiven aus dem Blick geraten.

00:17:36: Barbara Buchecker hat in unserer Folge zur Medienbildung beschrieben, wie schnell sich solche politischen Informationswelten verengen können.

00:17:44: Wenn das jetzt ein politisches Thema ist, dass sie interessiert dann wird ihnen aber dann innerhalb von kürzester Zeit sehr extreme Ansichten oder Videos zu diesem Thema

00:17:54: angeboten

00:17:55: und ausgespielt.

00:17:57: Und da ist es für sich ganz schwer zu erkennen was gibt's sonst noch in der Welt?

00:18:01: Also dieses Horizont erweiterte ist dann unglaublich schwer und Sie haben einfach sehr schnell das Gefühl alles ist so!

00:18:08: Das ist die Realität.

00:18:10: Im Hinblick auf diesen sehr verengten Blick, der dabei den Jugendlichen entsteht, bekommt man die Kontroverse und der Pluralismus noch einmal eine verstärkte Bedeutung.

00:18:20: Es ist wichtig, Jugendliche dabei zu unterstützen, die Interessen hinter solchen Strategien zu erkennen – und gleichzeitig ist es natürlich wichtig, sehr deutlich zu machen, dass Demokratie-und Menschenrechte nicht einfach eine Meinung unter vielen sind!

00:18:35: Ja und wieso oft landen wir zum Schluss beim Thema Ausbildung?

00:18:38: Eins der Ziele muss ja sein, dass wir politische Bildung verstärkt in die Schule bringen um dort ein verstärker-politisierter junge Menschen hervorbekommen.

00:18:47: Das ist jetzt noch unabhängig von einer politischen Ausrichtung und andererseits müssen wir in der Universitären ausbilden und in der Ausbildung der pädagogischen Hochschulen schauen das wir mit entsprechenden Lehrveranstaltungen die jungen Leute selbst auch noch politisieren, weil nur wenn sie politisches Interesse entwickelt haben, nur wenn Sie über politisches Bewusstsein verfügen.

00:19:07: erst dann werden sich den Wert erkennen um das weiter zu unterrichten.

00:19:14: Was ist also richtig und was ist falsch?

00:19:17: Es wäre falsch dem Beutelsbacher Konsens als Aufruf zur Neutralität zu verstehen.

00:19:22: Es wäre falsch Kontroversität mit Beliebigkeit zu verwechseln

00:19:26: Und es wäre falsch als Lehrkraft die eigene Haltung aus dem Unterricht zu verbannen.

00:19:31: Richtig ist, Schülerinnen und Schüler brauchen Raum um unterschiedliche Perspektiven kennenzulernen diese kritisch zu prüfen und sich ein eigenes Urteil zu bilden.

00:19:41: Richtig is auch politische Bildung findet nicht im luftleeren Raum statt.

00:19:46: Demokratie mit menschenrechtlichen Grundprinzipien bilden ihren normativen Rahmen

00:19:52: Und so sind die Herausforderungen auch fünfzig Jahre nach der legendären Tagung in Beuthersbach noch aktuell.

00:19:58: Nicht neutral sein und trotzdem nicht überwältigen.

00:20:02: Kontroversität ermöglichen ohne jede Position für gleichberechtigt zu erklären, Haltung zeigen und gleichzeitig Raum für eigenständiges kritisches Denken

00:20:12: schaffen.".

00:20:13: Und vielleicht ist das auch der Grund warum der Beutelsbacher Konsens in unserem Podcast so oft auftaucht?

00:20:19: Denn die Fragen wie wir mit kontroversen Umgehen, Haltung zeigen und Raum für eigene Urteile lassen Stellen Sie sich in der politischen Bildung eigentlich täglich.

00:20:59: Politik-lernen.at

00:21:02: Wenn euch das Format gefallen hat, empfiehlt dem Podcast gerne weiter!

00:21:06: Wer mehr zur politischer Bildung arbeiten möchte findet weitere Angebote beim Zentrum Polis und der Arbeiterkammer Wien – alle Infos dazu sind in den Show Notes.

00:21:16: Wir sind Patricia Lacek

00:21:18: Und Karl Schönswetter.

00:21:19: wir bedanken uns fürs Zuhören

00:21:22: und wir freuen uns wenn ihr das nächste Mal wieder mit dabei seid.

Über diesen Podcast

Im Podcast für Politische Bildung sprechen wir über gesellschaftliche Kontroversen, die im Klassenzimmer bewegen und polarisieren. Wir holen gute Ideen vor den Vorhang und machen Unsicherheiten besprechbar. Wir wollen keine vorgefertigten Antworten liefern, sondern Lehrkräfte ermutigen, über ihre Erfahrungen zu sprechen. Voneinander und miteinander zu lernen. Sich gegenseitig zu inspirieren und zu bestärken. Denn qualitätsvolle Politische Bildung braucht den Diskurs und den Raum für Fragen und Reflexion.

Zu Gast sind Lehrkräfte aller Schultypen und Fächer sowie Fachleute aus Wissenschaft und Praxis.

Eine Kooperation von Zentrum polis – Politik Lernen in der Schule, Demokratie21 und der Arbeiterkammer Wien.

von und mit Demokratie21

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